Gefühle zulassen – Welche Folgen hat Wut?

Wie fühlt sich Wut an und was passiert, wenn ich sie rauslasse? Zerbricht eine Welt? Endet mein Leben? Bin ich einsam und allein? Kennst Du die Angst vor der Wut und vor Deinen eigenen Gefühlen? Bulimie entsteht häufig durch unterdrückte Gefühle. Wut ist bei mir auf jeden Fall eins davon gewesen. Was aber macht die Wut so schrecklich und wie kann ich lernen mit ihr umzugehen? Ich habe mich geübt im ‚Gefühle zulassen‘ und habe die Wut mutig aus ihrem Käfig befreit,  das ist passiert…


Wut rausgelassen – Mutig in die Selbstzerstörung??


Eigentlich würde ich mich seit meiner Kindheit durchgehend als mutig bezeichnen. Oberflächlich zumindest. Innerlich, auf der Gefühls- und Gedankenebene, sah das jedoch lange Zeit ganz anders aus.

Ich war selten nur mutig genug, mir auch mal negative Gefühle zu erlauben. Besonders vor der Wut hatte ich große Angst. Schon seit meiner Kindheit habe ich gelernt, dass ich als Mädchen meine Ziele besser durch ein freundliches Lächeln, als durch das Äußern meiner wutentbrannten, ehrlichen Meinung erreiche. Vielleicht mal einen coolen Spruch auflegen und mit Witz kontern, aber bloß nicht wirkliche, negativ besetzte Gefühle äußern!

Aus Angst nicht mehr geliebt zu werden und aus der Angst, was andere über mich denken, habe ich meine negativen Gefühle versteckt. Vor allem in der Öffentlichkeit. Allein, später Zuhause habe ich dann die Quittung dafür bekommen. Habe mich fallen lassen in den Zog der Bulimie. Mich selbst für das Vertuschen meiner Gefühle bestraft. Alles, was ich vorher gegenüber den anderen nicht äußern konnte habe ich dann schließlich allein und einsam im Bad ausgekotzt. Habe die Wut gegen mich gerichtet.

Heute ist mir klar, dass ich nur gesund werde, wenn ich jedes Gefühl, jeden Gedanken und alles was in mir auftaucht und passiert erstmal anerkenne. Indem ich meinen echten Gefühlen, ausnahmslos – egal ob positiv oder negativ – den Raum und die Möglichkeit gebe sich wirklich zu zeigen und auszudrücken nehme ich ihnen jetzt die Kraft. Jedes Gefühl darf sein. Ich darf sein. Ich bin wie ich bin und alles darf sein.

Die Wut war für mich lange Zeit wie ein großer, schwarzer, wildgewordener, sabbernder Hund. Vielleicht mit drei Köpfen, fletschenden Zähnen und sabbernden Lefzen. Ich hatte Angst ihn loszulassen. Das Tier war gefühlt doppelt so groß wie ich, wahnsinnig stark und gefährlich und es roch nach Tod. Nach der totalen Selbstzerstörung.

Anstatt diese Wut wirklich zuzulassen, sie zu betrachten und sie sein zu lassen, habe ich ihr einen Maulkorb verpasst, ihr ein silbernes, spitzes Stachelhalsband umgelegt und einen großen, elektrischen Zaun um das Vieh gebaut. Es war die Angst vor dieser Wut, die den Zwinger so hoch und unüberwindbar machte. Jahre lang konnte ich die Wut hier hervorragend vor dem Leben verstecken, geheim halten und niemand hat von ihr gewusst. Ich war die lustige, lachende Jana, die immer mal ein Witzchen machen konnte.

Was würde passieren, wenn ich diese dunkle Kreatur meiner Selbst in die Freiheit entlassen würde? Würde ich alle meine Freunde verlieren? Würden sich alle gegen mich wenden, wenn ich meine Meinung ganz klar äußere? Würde mich überhaupt noch jemand lieben können? Oder würde dieses schnaubend sabbernde Ungeheuer, dass ich versuchte mit aller Kraft an der kurzen Leine zu halten vielleicht sogar mich fressen, mein Leben zerstören und mich umbringen?

Diese ganzen Fragen konnte ich mir nicht beantworten, aber ich war bereit zu sterben, um die Antwort heraus zu finden. Denn ich wollte Freiheit. Ich wollte Leben. Ich wollte ich sein. Frei von meinen eignen, mir selbst aufgesetzten Zwängen, Käfigen und Maulkörben. Ich war entschlossen die Wut und damit das versteckte Stück Ich, von der Leine zu lassen, sobald sich eine passende Situation ergeben würde! Das habe ich mir selbst in einem sehr starken und mutigen Moment überlegt und versprochen. Dieses Versprechen wollte ich einhalten, ich war bereit mit jeder Konsequenz zu leben…

Es dauerte nicht lang und meine Mitbewohnerin, die ich dafür liebe und bewundere, wie gut sie ihre Meinung vertreten kann, kam mit einem Anliegen der Unzufriedenheit auf mich zu. Sie ist gerade mal 1,60m groß, aber das hindert sie keineswegs für ihre eigene Meinung einzustehen und wenn es sein muss, wie ein siegessicherer, römischer Kaiser in den kampf zu ziehen. Sie ist einfach sie selbst und darin wirklich stark!

Ich weiß nicht mal mehr was ihr Anliegen war, vielleicht sollte ich mal mehr aufräumen, vielleicht sollte ich auch etwas einkaufen – naja es war so eine ganz typische WG-Unzufriedenheit unter Mitbewohnern. Auf jeden fall fühlte ich mich persönlich angegriffen und das fand ich nicht gerechtfertigt. Sie hatte es noch nicht ganz ausgesprochen und ich wusste – jetzt werde ich es versuchen! Ohne Rücksicht auf Verluste, entschlossen, aber gleichzeitig ängstlich wollte ich meine Wut jetzt von der Leine lassen und nicht einen noch höheren Zaun um sie herum bauen. Ich wollte nicht noch einen Maschendraht mehr befestigen, jetzt war meine Chance die Wut freizulassen.

Ich öffnete das Gitter und dann rannte sie los. Wie eine Kuh, die nach einem langen Winter wieder zurück auf die Weide durfte, sprang sie Richtung Freuheit. Dieses wildgewordene, so lange eingesperrte Tier erkannte seine Freiheit und ich war voller Angst, denn ich wusste – jetzt gibt es kein zurück mehr! Die Wut wollte wüten und so rannte diese dreiköpfige Fluffy-Karrikatur auf meine kleine Mitbewohnerin zu, die einfach nur in der Balkontür stand und auf meine Antwort wartete. Das Bild war schäußlich, ich wusste nicht ob der Hund erst meine Mitbewohnerin und dann mich frisst oder ob er direkt auf mich zu rennt, weil ich ihn so lange eingesperrt hatte. Er rannte und sein schnauben kam immer näher.

Doch was passierte war ein Wunder. Erst jetzt – jetzt wo ich die Wut und damit auch die Wut als einen Teil meines Selbst frei ließ habe ich erfahren können, was passiert. In der ganzen Wut, die ich angestaut hatte konterte ich meiner Mitbewohnerin und sagte ihr meine ehrliche Meinung.

Was dann passierte war der Wahnsinn!

Sarah schaute mich verdutzt, aber verständnisvoll an und dann war die Sache quasi erledigt. Kein Weltuntergang, kein Streit, kein Kampf um Leben und Tod. Im Gegenteil, sie ist mit mit so viel Verständnis begegenet, dass auch ich mich verstehen konnte. Wir saßen anschließend den ganzen Abend gemeinsam auf dem Balkon. Es war so verrückt, so schön und so friedlich.

Tatsächlich hatte ich mir gedanklich schon ausgemalt, wie ich aus der WG ausziehen muss, wie unsere Freundschaft zerbricht, wie wir uns jetzt und hier prügeln würden. Meine Gedanken haben mir Bilder gezeigt, wie das unser letzter gemeinsamer Abend als Mitbewohnerinnen war. Meine Gedanken spielten mir jedes Horrorszenario einmal vor,aber was stattdessen wirklich passierte war wie ein Wunder!

Ich habe das Ungeheuer aus den Fesseln meiner Angst befreit. Habe dem dunklen Wesen in mir Raum und Platz gegeben, um zu sein.  Habe ihm ermöglicht sich auszudrücken. Ich war mutig genug, den Zwinger zu öffnen und es laufen zu lassen. Mit jedem seiner Schritte, raus aus dem dunklen Verlies und hoch in die Freiheit, hoch in das Licht ist dann das Unglaubliche passiert.

Das Ungeheuer ist in meinem Licht immer schwächer geworden. Mit jedem Schritt, dem ich dem Ungeheuer bedingungslos und widerstandslos zugestand, wurde es schwächer und schwächer. Es verlor an Kraft. Denn in diesem Licht, in der Manege des Sein, da konnte es nicht überleben.

Ich war mutig und entschlossen, mich und meinen Wert anzuerkennen. Ich war bereit meine Wut zu zeigen! Auch auf die Gefahr hin, meine Freundin zu verlieren. Ich war bereit dafür ICH zu SEIN.

Was ich erfahren habe war, dass dieses dunkle Gefühl der Wut in dem hellen warmen Licht nicht bestehen kann. Ich konnte gar nicht mehr wütend auf meine Mitbewohnerin sein. Denn mit jedem Schritt, den die Wut in Richtung meiner kleinen Freundin unternahm fühlte ich, dass die Wut die ganze Zeit über eigentlich nur eins wollte. Nämlich meine Aufmerksamkeit. Meine Beachtung und meine Liebe. Mein aufrichtiges Interesse und die Möglichkeit sich zu zeigen. Dieses Ungeheuer wollte nie töten, nie zerstören. Es wollte nur Liebe. Aufmerksamkeit, Beachtung und Leben.

Was ich schließlich in dem Ungeheuer erkannte war ICH. Aber meine einzige ungeheuerliche Tat war die, diesen Teil von mir zu verstcken. Ihn mir nicht zu erlauben. Ihn zu verheimlichen. Mich für meine Gefühle zu schämen. Die Wut ist ein Teil von mir, genau wie die Liebe. Aber da wo ich liebevoll hinschaue und mich akzeptiere, da haben Gefühle wie Wut und Angst keine Macht.

Das Monster, vor dem ich mich all die Jahre gefürchtet habe, das gab es nie. Es ist nicht nötig Gefühle zu verstecken. Denn tief im Inneren sind wir alle so viel mehr als Angst, Wut oder Selbstzweifel. Ich glaube an die Liebe und die enorme Kraft, die dahinter steht.

Ich bin Ich. Und ich darf fühlen was ich fühle. Ich freue mich über jedes Gefühl, dass ich kennenlernen darf und bin überrascht wie vielseitig ich bin!

Danke liebe Sarah! Danke, dass du mir den Raum und den Mut gegeben hast Ich zu sein. Danke, dass du mich nicht verurteilt hast und Danke, dass du so eine tolle Freundin und Mitbewohnerin für mich bist! Ich liebe Dich.


Mein Buchtipp an dieser Stelle

Bulimie entsteht häufig, weil Gefühle unterdrückt werden! Das ist ja einfach gesagt, aber was fühle ich denn überhaupt? Dieses Buch hat mir geholfen mich erstmal über Gefühle zu informieren! Welche Gefühle gibt es? Wie fühlen die sich an? Wie kann ich damit umgehen? Ein richtiges Nachschlagewerk, das ich immer mal aus dem Regal hole, wenn ich mich „komisch“ oder „leer“ fühle. Hier erfahre ich was wirklich in mir los ist und kann diese Gefühle zulassen, um mich so davon zu befreien und sie loszulassen.

Klicke hier und du kommst mit dem Link direkt zu Amazon – Das große Buch der Gefühle


Bist du bereit für noch mehr Inspirationen? Dann schau mal hier vorbei!


Gefühle zulassen – Welche Gefühle unterdrückst du?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

1 thought on “Gefühle zulassen – Welche Folgen hat Wut?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

11 − 3 =