Sucht loslassen

Ich bin nicht meine Gedanken, aber wer bin ich dann? In diesem Beitrag erfährst du…

  • welche enorme Macht deine Gedanken über dich haben
  • Methoden, um dich von deinen Gedanken zu lösen
  • wie du die Sucht endlich fallen lassen kannst

Wie schaffe ich es mich von meinen Gedanken zu trennen? Heute möchte ich aufzeigen, wie ich die Sorgen um meine Figur und den zwanghaften Drang zu Essen von meiner Persönlichkeit trenne. Ich ziehe einen Trennstrich zwischen dem Zwang, meinem Verstand und meinem Ich. Hier bin ich und da ist die Sucht und dort mein Verstand.

Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht reiche, dass ich dick bin, dann muss ich mich darauf aufmerksam machen, dass es nur ein Teil von mir ist, der gerade zu dick ist – Der Körper. Ich aber selbst bin nicht diese Gedanken. Ich bin viel mehr als der Körper. Ich bin nicht das Problem. Ich habe gerade ein Problem. Ich fühle mich zu dick. Aber da ist ein Unterschied! Nehme ich ein Problem wahr, oder fühle ich mich selbst wie das Problem? Ich bin ich und ein Teil von mir – mein Körper – ist gerade zu dick. Und das macht mir gerade Sorgen.

Die Sucht zwingt

Was tun, wenn ich das Gefühl habe ich MUSS schlemmen? Was tun, wenn ich das Gefühl habe ich MUSS essen? Was tun, wenn ich das Gefühl habe, ich MUSS noch mehr essen? Es ist ein Gefühl ohne Wahl. Es passiert. Es findet keine Entscheidung statt. Es ist, als würde ich gelenkt. Absoluter Kontrollverlust. Kann nicht handeln. Nicht denken. Etwas treibt mich, und ich kann einfach nicht reagieren. Kennst du das?

STOPP!

Sobald du diesen Kontrollverlust spürst schrei STOPP! Brüll dich selbst an. Du hast das Problem erkannt. Du verlierst die Kontrolle. Schrei Stopp und zwing dich zu einem tiefen, bewussten Atemzug. Versuche tief in den Bauch zu atmen und entscheide dann neu was du machen möchtest. Denke an ein großes Stopp-Schild mit rotem Rand oder wecke dich selbt duch ein Klatschen in die Hände auf.

Stell dich jetzt vor die Wahl!

Nimm die Chance dieses kurzen Aufwachens wahr! Versuche deine Möglichkeit zu sehen jetzt frei zu entscheiden! Kannst du etwas ändern? Kannst du jetzt vielleicht schon aufhören?

Alternativen zur Sucht könnten sein..

  • den Raum verlassen und  dieäußere Situation ändern
  • Sport machen und Emotionen durch Bewegung abschütteln
  • etwas lesen, dir Zeit geben dich wirklich zu entspannen
  • einfach auf dem Bett liegen und deine Gedanken beobachten
  • eine heiße Dusche nehmen und die Sorgen abwaschen
  • dich mit einer Freundin verabreden und deinen Problemen im Gespräch Raum geben
  • etwas basteln, malen oder einfach deine Gedanken aufschreiben – die Energie in Kreativität umwandeln

STOPP! Atmen! Nochmal! Bis unten in den Bauch hinein.

Entscheide neu. Möchtest du wirklich essen? „Musst“ du essen? Oder hast du vielleicht eine Wahl?

Du hast keine Wahl, du musst!

Wenn du merkst, dass du trotz diesem STOPP-Signal keine Wahl hast, was dann? Etwas zwingt dich weiter zu essen. Du MUSST essen. Es ist aussichtslos, du nimmst deine Möglichkeiten jetzt vielleicht wahr, aber du kannst sie nicht umsetzen? Das Gefühl der Sucht zieht weiter, will dich. Will, dass du isst. Eine freie Entscheidung ist einfach nicht möglich. Obwohl du Alternativen kennst. Was jetzt?

Wenn das passiert, wenn dich das Gefühl zwingt. Dann nimm es an. Akzeptiere es zu 100%. Lade es zu dir ein und schau was passiert. Setze deine Forscherbrille auf und beobachte was das Gefühl mit dir macht! Wen lädst du ein? Welcher Gast hat dich da gerade besucht? Wer oder was zwingt dich an den Essenstisch?

Ist es wirklich der Hunger? Dann iss! Guten Appetitt.

Ich und die Sucht – Probleme externalisieren

Wenn du aber sicher bist, dass das gerade kein Hunger ist, sondern erbarmungsloses Verlangen. Der Zwang der Sucht, der dich zum Essen drängt, dann wird es erst so richtig interessant!!

Setze deine Forscherbrille auf und gehe tiefer in dieses Gefühl hinein! Was zwingt dich zum Essen? Was schreit danach gefüttert zu werden? Halte einen Moment inne und versuch es herauszufinden. Auch wenn du gerade am Essen bist – Beobachte dein Handeln. Wer oder was zwingt dich jetzt dieses Essen in deinen Mund zu stopfen und zu schlucken, obwohl du eigentlich satt bist?

Die Hexe

Ich habe selbst festgestellt, dass es sich manchmal anfühlt, als würde mich eine böse Hexe zum Essen verführen. Als würde sie in einem Zuckerkuchen Haus wohnen und mich mit ihrem schrumpeligen Finger zu sich herein bitten. Mich füttern, mästen und vollstopfen. Als wollte sie eine fette Suppe aus mir kochen. Dieses Bild, diese Person einer Hexe habe ich jetzt also in Gedanken meiner Sucht gegeben.

Hier bin ich und da ist die Hexe. Die Hexe, die will, dass ich fett werde.

Ich kenne meinen Wunsch. Mein Wunsch ist es ein Normalgewicht zu halten. Meine Hosen sollen nicht kneifen. Mein Gewicht soll mich nicht beim Sport einschränken. Ich möchte mich wohlfühlen und das geht nicht, wenn ich auf Dauer als unkontrollierte Fressmaschine agiere! Ich möchte gesund, dynamisch, flink und stark in meinem Leben unterwegs sein.

Die Hexe hat allerdings andere Pläne! Sie möchte mich dick, fett und schwabbelig. Sie möchte mich am liebsten so, dass ich mich nicht mehr bewegen kann, nicht mehr fliehen kann. Sie möchte mich mästen und auf ein Höchstgewicht bringen. Möchte, dass ich schlachtreif werde und sie einen leckeren Braten in ihren Ofen schieben kann. Sie möchte im Grunde meinen Tod.

An dem Tag, an dem ich diese Gedankenhexe ausfindig gemacht habe konnte ich plötzlich unterscheiden. Hier bin Ich und da ist die Hexe. Ich bin nicht die Krankheit. Ich bin auch nicht hungrig und ich möchte auch nicht fett sein. Ich werde verzaubert und ich werde gemästet. Von meiner eigenen, von Gedanken gemachten Hexe.

Das Bewusstsein schafft Raum zum Entscheiden

Durch das Erkennen der Hexe hatte ich dann plötzlich eine Wahl! Möchte ich der Hexe vertrauen oder möchte ich meinem Wunsch folgen? Will ich in die Falle tappen oder möchte ich am Pfefferkuchenhaus vorbei gehen und weiter durch den Wald spazieren?

Mit dem neuen Bewusstsein für diese Hexe – mit dem Erkennen – war der Zwang aufgelöst. Ich habe gesehen wer da zwingt. Ich habe gespürt, das bin nicht ich. Ich weiß, ich habe eine Wahl. Ich kann einfach am Pfefferkuchenhaus vorbei gehen. Ich will mich nicht in mein Unglück stürzen. Ich will dieser Hexe nicht vertrauen, nicht ihren Zauber spüren. Ich möchte Frieden und Leben.

Das Lied der Hexe

Eine kleine witzige Geschichte von mir.. Zwei Tage nachdem ich diese Hexe das erste Mal ausfindig gemacht habe kam plötzlich wieder eine Welle des Stresses über mich. Meine Gedanken drifteten ab. Ich überlegte was ich Essen könnte. Ich spürte Hunger und Verlangen und überlegte in Gedanken, was ich einkaufen sollte. Ich identifizierte mich komplett mit diesen Gedanken. Ich war der Hunger. Panischer Hunger. Unglücklicher Hunger.

Ich war unbewusst. Ich hatte keine Wahl. Ich konnte keine Entscheidung treffen. Mir war klar, ich muss essen! Es gab keine Alternative.

Dann plötzlich bemerkte ich eine leise, gedankliche Hintergrundmusik in meinem Kopf: „Huhu da schaut eine alte Hexe raus, sie lockt die Kinder ins Pfefferkuchenhaus…“ Hammer! Das Lied von Hänsel und Grätel war plötzlich auf der Bildfläche meiner Gedanken aufgetaucht! Ich erschrak. Das Lied hat mich aufgeweckt!

Mir wurde bewusst, dass hier gerade die Hexe am Werk war. Sie wollte, dass ich esse! Sie wollte mich mästen. Sie wollte meinen Stress kompensieren, durch Hunger und ablenkende Gedanken. Jetzt hatte ich es geschnallt. Die Hexe hat mir sogar ein Zeichen gesendet. Ihren Song gesungen und mich auf sie aufmerksam gemacht.

Das Lied hat mich aufgeweckt. Ich war erwacht. Plötzlich hatte ich wieder eine Wahl. Ich konnte wählen – habe ich Hunger? Ja oder nein? Nein? Ok, was könnte stattdessen meine Lösung sein? Ich war hellwach. Ich erkannte, dass ich komplett gesättigt war. Ich war nur gestresst. Mit Hunger hatte das nichts zu tun! Ich erkannte, dass mich essen nicht näher zum Ziel führen würde.

Dieses Mal war ich im Moment. Ich war nicht die Gedanken. Ich war nicht die Vernunft und ich war auch nicht die Hexe. Ich bin die, die die Wahl hat zu entscheiden! Und diese Wahl hatte ich jetzt endlich erkannt!

Der Verstand meint es nicht immer gut

Vorher hatte ich diese Wahl nicht! Es gab keine Auswahl. Vorher war klar, ich musste essen und ich musste Essen besorgen. Zwar hat sich mein Verstand in dem Moment der Sucht nicht ausgeschaltet, aber vom Gefühl her hat mein Verstand zusätzlich gegen mich gearbeitet. Hat mich mit Vorwürfen und Wünschen für die Zukunft bombardiert. Aber scheiß auf die Zukunft. Ich war jetzt in meinem Problem. Rationale Argumente des Verstandes können gegen die Zauberei der Hexe, mit samt ihren Verlockungen nichts anrichten. Der Verstand macht mich nur klein, wertlos und getrennt. Der verstand ist fast noch gruseliger als die Hexe.

Eine Entscheidung treffen im Bewusstsein

Jetzt, im wachen Zustand, konnte ich noch einmal in mich hineinhorchen. Konnte es fühlen – ich bin weder der Verstand, noch die Hexe!

Wem aber möchte ich folgen? Was möchte ich wirklich?

Ich wollte nicht essen! Das war mir jetzt klar. Ich wollte gar nichts essen. Hatte keinen Hunger. Ich hatte Stress.

Der Stress, durch den Verstand

Ich hatte Stress, weil mein Verstand mich schon an eine Situation in der Zukunft erinnerte. Die Wünsche des Verstandes fühlen sich manchmal an wie Kanonenschüsse auf die jetzige Situation. Der Stress greift an, weil der Verstand lieber die Zukunft sein will als dieser Moment. Stress, weil der Verstand nicht annehmen will was gerade ist. Der Verstand will flüchten, weil ihm das Jetzt nicht gefällt. Flüchten in eine Zukunft, die noch gar nicht ist und die vermutlich auch nie passiert, weil der Wunsch an eine andere Zukunft mich von meinen Möglichkeiten in der Gegenwart abhält.

Die Sucht fallen lassen

Mit der Erkenntnis, dass ich weder Verstand, noch Hexe war, konnte ich die Sucht und den Hunger dann fallen lassen. Es war wie ein riesen Rucksack voll Ballast! Ich habe ihn gespürt. Habe ihn endlich wahrgenommen, habe ihn entdeckt. Ein Rucksack voll Ballast aus Verstand und schwarzer Hexerei.

Wenn ich sonst immer nur sagen konnte „Krass mich zieht etwas runter. Ich fühle mich schwer und komisch.“,  dann hatte ich jetzt endlich diesen Rucksack entdeckt. Ich konnte erkennen, was mich da runter zieht. Habe die Schwere des Verstandes und der Hexe entdeckt.

Ich habe den Moment voll akzeptiert und dadurch wurden meine Augen offen für dieses schwere Gepäck auf meinem Rücken. Erst durch das Erkennen dieses Rucksackes hatte ich dann wirklich die Wahl. Möchte ich den Rucksack weiter tragen? Natürlich nicht! Ich konnte ihn einfach absetzen. Bumbs! Abgelegt. Zack!

Die Freiheit

Ich konnte den Rucksack, den ich jetzt endlich auf meinem Rücken erkannt habe einfach nehmen und absetzen. Dieser Moment war so leicht. Einfach abstreifen und ablegen. Warum sollt ich dieses unnütze Gepäck auch mit mir rumschleppen? Ich bin frei. Frei von Gedanken. Frei von Verstand. Frei von der Hexe. Befreit von der Schwere des Rucksackes voll Stress, Sorgen und Ängsten.

Ich bin von meinen Gedanken getrennt! Ich bin ich und ich weiß ich finde Lösungen, bin kreativ, mutig und stark. Ich meistere das! Auf geht’s! Von jetzt an reise ich mit leichtem Gepäck!


Warum habe ich eigentlich Bulimie?

Was hält mich an dieser Krankheit? In der Rolle als Gedankendetektiv habe ich mich auf die Suche nach Antworten gemacht! In dieser Kurzgeschichte erfährst du, die erschütternde Wahrheit und meine Lösung, aus ihr heraus.


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