Die Hurrikan-Jägerin auf Kuba

So ich möchte mich mit diesem Beitrag jetzt erstmal verabschieden. Denn ich fliege als Hurrikan- Jägerin für knappe drei Wochen nach Kuba. Das bedeutet kein Internet und das bedeutet keine neuen Beiträge, Posts, News oder Newsletter mehr.

In einer völlig unüberlegten Kurzschlussreaktion habe ich Anfang August diese Reise gebucht. Gerade noch hatte ich meiner WG groß und breit erklärt, wie „Reisemüde“ ich jetzt gerade sei und zack – knappe 20min später hatte ich durch Zufall dieses Angebot auf Skyscanner entdeckt. Ein Direktflug nach Kuba für  nur 370€. Ich habe gebucht. Ich habe nichts recherchiert, nicht besonders weit gedacht. Es hat sich in dem Moment einfach richtig angefühlt. Jetzt fliege ich allein, ohne Spanisch aber in der Hurrikanhochsaison nach Kuba. Ich habe Angst! Wie schaffe ich es trotzdem mit dieser Angst umzugehen?

Meine To-Do-List für 2017:

  • eine neue Sprache lernen
  • allein reisen
  • außerhalb von Europa reisen
  • einen Halbmarathon laufen

Und tadaa, da war es auch schon gebucht. Ich hatte nicht meinen Verstand gefragt! Ich habe es nicht zerdacht, sondern einfach gemacht. Das Angeot schien mir zu verlockend um es direkt noch mit negativen Gedanken zu beladen und Ängste hochkommen zu lassen. Es fühlte sich total richtig an. Es bauchte keine Überlegung in diesem Moment. Außerdem war der „Buchen“-Button wirklich leicht geklickt.

Ja! Fuck! Denn direkt danach hatte ich dann den Salat! Als meine erste Aufregung und das erste Adrenalin wegen dieser, für mich schon sehr abenteurlichen Buchung, wargerade eben verflogen und da stand sie auch schon in ihrer vollen Pracht: Meine Angst. Und diese Angst hatte Zweifel, Sorgen und Vorwürfe im Gepäck: „Wie willst du das nur ohne Spanisch machen? Ganz allein? Du wirst ausgeraubt, bestohlen, du wirst dich langweilen, du wirst allein sein. Du findest keinen Schlafplatz. Warum fliegst du nicht mit deinen Freundinnen gemeinsam nach Portugal? Denk mal an die ganzen coolen Urlaubsfotos, die ihr in Portugal gemeinsam machen könntet! Ist dir das nichts wert? Kuba wird sicher viel zu teuer. Du könntest das Geld anders gebrauchen! Du brauchst noch einen neuen Laptop! Das kannst du alles nicht bezahlen! Du denkst einfach nie richtig nach.“

Ich versuchte meine Angstgedanken zu beruhigen und redete mir ein, dass sich diese Investition sicher lohnen würde, auch wenn das restliche Leben jetzt knapp würde. Ich konnte durchatmen und die Ängste kurzzeitig ein wenig an die Seite schieben.

Einen Tag später kaufte ich mir einen Reiseführer und habe noch vor Ort, in der Buchhandlung nachgelesen: „Im Monat September liegt der Höhepunkt der Hurrikane-Saison. Aus Angst vor einem „ganz Großen“ bevorzugen viele ein sehr sicheres Quatier. Die Zahl der Besucher erreicht einen Tiefpunkt…Einige Einrichtungen schließen.“

Fuck. Fuck. Fuck. Angst!

Die Frau neben mir in der Buchhandlung fragte auch genau in diesem Moment nach einem Wanderfüherer für das Kleinwalsertal – meine Heimat im Winter – ein kleines Tal mit tollen Abseitspisten, netten Leuten, gutem Essen und tollen wanderrouten und Mountainbikestrecken im Sommer. „Fuck. Fuck. Fuck. – Warum fahre ich nicht ins Kleinwalsertal und reise da allein? Bei einer tollen Wanderung, einem guten Bier und deftigem Essen hätte ich sicher auch hervorragend entspannen, genießen und zu mir selbst finden können. Warum muss es denn Kuba sein? Miste!“

Ich bekam richtige Panik! Horrorszenarien brachen in meinem Kopf aus: „Kacke Jana! Das kannst du nicht, das wird nichts, brich das ab!! Du schaffst das nicht. Was hast du dir dabei gedacht? Willst du enden wie der 9. Teil von Sharknado? – Jananado?! Du bist verrückt und bescheuert. Brich das ab! Sichr kannst du das stornieren. Flieg nach Portugal. Geh wandern im Kleinwalsertal, aber fahr doch nicht nach Kuba. Wie willst du das Oma erklären? Die machst du unglücklich, wenn du nicht wiederkommst!“

Ich fuhr aus der Buchhandlug direkt nach Hause, machte mir was zu essen und fuhr den PC hoch. Jetzt war ich entschlossen –  die Buchung sollte mit möglichst wenig Verlust wieder storniert werden! Ich war panisch und voller Angst. Was war da nur mit mir los gewesen, wie unüberlegt hatte ich da nur gehandelt? Mir fielen 1000 Gründe ein, warum diese Reise eine total dumme Idee war und ich fing an mich selbst für diese Idee in Gedanken zu beschimpfen.

Während ich mir den nächsten Löffel Müsli in den Mund stopfte bemerkte ich endlich mein Dilemma!

Stopp! Erstmal durchatmen!

Ich erwachte und erkannte, wie gelenkt ich plötzlich von meiner Angst war. Ich konnte unterscheiden. Hier war ich und da die Angst!

Noch ein tiefer Atemzug und ich entschied, den Schreibtisch und den Laptop zu verlassen. Ab auf das Bett. Erstmal einen anderen Input bekommen! Omas Satz, „Alles ist für was gut.“ fiel mir ein und beruhigte mich. Irgendwie muss auch diese Reise einen Grund haben.

Winifred – Die Hurrikan-Jägerin

Ok dachte ich – erstmal ein bisschen die Gedanken ablenken! Ich schlug das Buch auf, das durch Zufall noch neben meinem Bett lag, und las den ersten Absatz. Es ging um Winifred, die anmutige, sehr inspirierende Frau, die ihren rothaarigen Dutt immer königlich auf dem Kopf trug. Ich entwickelte direkt Sympathien für diese 75 jährige Frau, denn ich mochte ihren witzigen Namen und grundsätzlich  ich liebe rote Haare! Ich empfand das Buch als super Ablenkung und las weiter… Ein paar Zeilen später wurde dann plötzlich beschrieben, dass Winifred ihr ganzes Leben lang auf ihren Reisen nichts anderes gemacht hat, als gemeinsam mit ihrem Mann, Hurrikans hinterher zu jagen.

Mir fiel die Kinnlade runter. Der Mund stand mir auf. Ich musste lachen und konnte plötzlich meine eigene Schlagzeile schon vor mir lesen „Jana, die Hurrikan-Jägerin – Auf der Suche nach dem ganz Großen.“ Die Angst, die mich 10 Minuten zuvor noch zum Essen zwang war verflogen. Mein neugieriger Forscher- und Entdeckergeist war zurück!

Wer kann von sich schon behaupten mal einen Hurrikan gesehen zu haben? Ich muss ehrlich sagen, dass ich es mir nicht unbedingt für diese Reise wünsche, einen echten Hurrikane zu sehen, aber diese Geschichte über Winifred hat mir meinen Mut zurück gegeben. Das Gottvertrauen, das alles gut werden wird und ich am ganzen Stück aus Kuba zurückkomme! Winifred war ja immerhin auch schon 75 Jahre alt!

Ich habe die Wahl – Angst oder Neugierde?

Auch jetzt noch schwanke ich hin und her. Schwanke zwischen dem Gefühl der Angst und dem Gefühl der Neugierde, aber ich weiß jetzt: Ich kann wählen! Welches Gefühl will ich zulassen?

Sobald ich die Angst in mir entdecke wechsele ich jetzt die Perspektive, wechsele in: „Krass, was diese Reise für Möglichkeiten bietet! Eine neue Kultur kennenlernen, eine neue Sprache sprechen, einen Langstreckenflug erleben. Entdecken. Überraschen. Staunen. Genießen.“ Ich weiß, es könnte alles passieren. Aber ich weiß auch, es lohnt sich nicht, sich jetzt schon den Kopf zu zerbrechen und sich die schrecklichsten Geschichten auszumalen. Ich versuche mich zu entspannen. Versuche die Dinge einfach kommen zu lassen. Schon allein dieses Angstgefühl bietet mir so viele Möglichkeiten zu lernen! Diese Reise kann nur eine Bereicherung für mich sein!

Ich wähle also die Perspektive der Neugierde und werde am Montag voller Vertrauen alleine und ohne Spanischkenntnisse nach Kuba reisen, und das in der Hurrikan Hochsaison. Ich werde in meine Angst hinein gehen. Ich werde genau das in meinem echten Leben machen, was ich auch in meinen Gedanken gerade die ganze Zeit versuche. Ich werde mutig sein und mit der Angst gemeinsam auf Entdeckertour gehen.

Meine Frage an Kuba

In meinem eigenen Auftrag von Glücklich & Satt möchte ich die Fragestellung beantworten, was die Menschen auf Kuba, in einem sozialistischen Staat, glücklich macht. In welchen Momenten kann ich das Glück in ihren Gesichtern lesen? Und kann ich mir erklären was sie glücklich macht?

Meine Hypothese ist, dass die Kubaner in ihrem sozialistischen Staat glücklich sind, eben weil sie sich über die Politik nicht den Kopf zerbrechen. Einfach weil sie das annehmen was ist. Es nicht in Frage stellen und sich so unnötigen Stress ersparen. Ich rechne mit einer  „Hingabe“ der Kubaner an das Leben. Bedeutet Hingabe in diesem Zusammenhang absolute Handlungsunfähigkeit oder einfach Akzeptanz? Wie ist die Qualität des Tuns bei den Kubanern? Machen sie die gleichen Dinge wie wir in Deutschland vielleicht mit einer anderen Leichtigkeit, Freude und Liebe? Sind sie aufmerksamer? Lebendiger, glücklicher? Welche Perspektive auf das Leben haben diese Menschen?

Ich bin so gespannt was mich erwartet und wo mich diese Reise hinbringt! Ich vertraue und bin dankbar dafür, dass ich diese Erfahrung machen darf. Dankbar, dass ich mir diese Erfahrung erlaube.

Also aufgehts, drei Wochen lang staunen, entspannen, kreativ sein, genießen!

Bis blad, Jana.

PS: Wenn ich die Reise überlebe, dann melde ich mich auch für einen Halbmarathon an.


Hast du Lust bekommen jetzt auch deine Ziele zu erreichen?

Hier ist meine Liste mit Tipps, um die eigenen Ziele mit den richtigen Gedanken zu erreichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 × eins =